Sie sind hier: Home » Jagd » Bericht von Nemo

Februar 2013 - ein Bericht von Nemo
(herzlichen Dank an seine Besitzer Familie Löwe)

Nemo – Ein Border erobert sein Revier

Ja ja, wenn sich ein Ehepaar gemeinsam für einen Hund entscheiden möchte, gibt es so manches zu bedenken. Ein Familienhund sollte es schon sein, insbesondere lieb zu den Enkelkindern. Freundlichkeit und Gelehrigkeit werden natürlich unausgesprochen vorausgesetzt. Robustheit ist auch nicht schlecht. Nicht zu groß bitte. Ja aber, verträgt sich das alles mit der jagdlichen Passion des Ehemannes? Schließlich will er mit ihm waidwerken und das ist nicht verhandelbar.

Gibt`s das?
Offensichtlich ja.
NEMO von Alzendorf
a.d. COSI VAN TUTTE von Alzendorf 
Vater: MERLIN`S MAGIC AT SOLWAY / D

hat sein neues Revier in Neuss im wahrsten Sinne des Wortes im Sturm erobert. Er ist so ein Allrounder, ein freundlicher, Enkel liebender Familienhund, mit starkem Beschäftigungsverlangen, der am liebsten seine jagdliche Passion lebt.

Er fühlt sich in seinem Menschenrudel am wohlsten, fordert Zuwendungen und spielerischen Umgang ein, liebt Füsse und hat sich seinen Platz auf dem Sofa (nur mit seiner Decke) erobert. Zu unseren kleinen Enkeln ist er sehr aufmerksam, fröhlich und ganz besonders geduldig mit deren Hektik.Es ist für uns faszinierend zu erleben, wie Nemo Menschen in ihren Gemütslagen erfasst und entsprechend freudig zugewandt oder eben zurückhaltend abwartend reagiert.
Bin ich mal mehrere Tage nicht da, schwingt er sich zum Bewacher meiner Frau auf, verfolgt sie auf Schritt und Tritt, bellt dann auch schon mal aus lauter Wachsamkeit nachts. Er findet seine innere Ruhe erst wieder, wenn das Rudel  zusammen gefunden hat.

Nemo ist in seiner Zugewandtheit, Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit nicht zu überbieten. Blumen anfressen, an den Hände knappern, einmal „nein“ und sachtes Wegdrücken des Kopfes und wir können uns auf ihn verlassen, dass es nicht wieder passiert und uns neuen Aufgaben zuwenden. Nachts fiepen? Gibt es nicht, gab es nicht einmal in der ersten Nacht. Wir begleiteten unseren Welpen in seine Box, mit seinem ihm bekannten Tuch, blieben eine Zeitlang bei ihm, streichelten ihn ruhig und ließen ihn ausgiebig an unseren Händen schnuppern und schlecken. Schon verlor er seine Skepsis, nahm seinen Platz an, ein kleiner zaghafter Beller wurde von uns mit dem leisen Zuruf „alles gut“ beantwortet und ab da schlief er durch. Ach ja, da war doch noch etwas bezüglich Border bei der Jagd. Sie geben alles heißt es immer wieder. Nemo hat früh sein erstes erlegtes Stück Rehwild in Augenschein genommen, den toten Fuchs verbellt, die angeschlagene Taube im Tiefflug gefangen und sauber apportiert, die Maus gefressen und im Wohnzimmer ausgekotzt. Ich weiß nicht, ob es diese Bezeichnung gibt, aber Nemo ist ein Nasengänger. Er arbeitet bei der Führersuche, der Reh- / Damwildspur stets mit tiefer Nase, spurtreu und erfolgreich, arbeitete früh schon Haken aus. Und haben wir mal den Wind nicht gebührend beachtet, holt er sich die Witterung und bringt stolz die versteckten Aportel.

Ein Apportierer der feinsten Sorte ist uns vergönnt. Er sucht, findet und bringt die diversen Apportel immer sofort konsequent zum Ausgangspunkt zurück. Auch Ablenkungen stören ihn nicht, ob plötzliche Witterung oder quer geworfene Ablenkungsapportel. Die werden dann nach Erledigung der ersten Aufgabe auf entsprechende Aufforderung auch noch geholt. Kommt er allein nicht klar, weil das Apportel im Käfig steckt oder in einem Gefäß, nimmt er Blickkontakt auf und bittet so um Unterstützung. Geht`s nicht schnell genug, kommt er das Herrchen auch schon mal abholen. Die Aufgabe muss erledigt werden, wenn`s nicht anders geht, halt zu zweit, aber zurück trägt hier nur einer.  Aah, das Apportel ist hinter Nemo abgelegt, auch gut. Back rechts oder links herum kein Thema. Seine Liebe zum Apport geht so weit, dass er nach ausgiebiger Arbeit im Wald, zu Hause angekommen, seinen Knochen greift, zur Garderobe läuft und ihn vor der Apporteltasche fallen lässt. Sein Blick sagt uns, zum Entspannen bitte jetzt noch ein paar Apportieraufgaben!

Wasser ist nass. das hat Nemo schon in den ersten Wochen kennengelernt. Und so dauerte es auch nicht lange, bis das Planschbecken unserer Enkel, durch Nemos eifriges arbeiten im Wasser, seinen Geist aufgab. Nemo hat auch  schon im Rhein gestanden und hat ein paar Züge im Baggersee geschwommen. ist durch einen Waldbach gelaufen. Dann lag da plötzlich auch noch so ein Apportiergegenstand drin. Das konnte nicht so bleiben. Ausgiebig schwimmen durfte er noch nicht, da muss er auf die ersten warmen Tage warten, wenn das Wasser wieder wärmer ist.

Voraussetzung für dieses Engagement und die Arbeitsfreude unseres Borders ist ein gutes Teamverständnis zwischen Führer und Hund, früher sagte man dazu wohl Gehorsam. Davon möchten wir gerade beim Border aber nicht sprechen, hat so was von Über-/ und Unterordnung.

Im  Wort „Team“ stecken weitaus mehr Empfindungen für Zusammengehörigkeit, gegenseitiger Verantwortung und gegenseitigem Vertrauen. Ich gestehe, dass hat meine Frau mir dieses gut vermittelt hat. Harte, laute Worte mag er nicht, er zieht sich sofort zurück, legt die Ohren an und schmollt. Ein freundliches NEIN im Ansatz einen Radfahrer verfolgen zu wollen, reicht. Er stoppt, guckt und kommt zurück, um sein Leckerli zu holen. Er spricht mit uns und wir verstehen ihn von Tag zu Tag besser. Natürlich gibt`s da auch noch den eigenen Kopf und die Terriersturheit. Aber auch dafür gibt es Lösungen, die nicht wirklich bedrängen und immer mit einem freudigen Lob enden.

So akzeptiert Nemo immer besser unsere Signale (freundlich gesprochen). Er liebt das "Bleib", wartet geduldig, bis er geschickt, abgeholt oder abgerufen wird. Und klappt es mal nicht auf Anhieb, ist es seinem Eifer zuzuschreiben. Das ist doch toll. Nemo hält beim Freilaufen schön Kontakt. Übt auch mit uns Agility (ohne Anforderung ist das Leben langweilig). Fährt gerne Fahrrad im Korb oder läuft gerne kurze Strecken brav nebenher. Liebt alle Hunde und Menschen noch zu sehr und verzehrt sich, wenn er nicht dran darf. Nemo kennt die Leckerlischublade ganz genau (weiß nur noch nicht wie sie zu öffnen ist/kommt noch)

Er ist  unser und aller Leute Darling und unser ganzer Stolz!

Immer wieder enden die kleinen Gassigespräche mit den Worten:“Was war das noch mal für eine Rasse? Das wär auch einer für uns, der gefällt uns!“ Bei aller Kernigkeit, die unser kleiner großer Hund verkörpert, ist seine Empfindsamkeit von einer gewissen Faszination. Es überträgt sich schon innerhalb der Familie. Leise und sanft aber konsequent werden  nun die Enkel in ihre Schranken gewiesen. Na geht doch. Ein echter Familienhund

Für alle zukünftigen Welpenfreunde möchten wir gerne kleine Erfahrungen weiter zu geben: Wir haben uns kurz nach der Abfahrt bei unserem Züchter entschlossen, die Transportbox aus dem Kofferraum auf die Rückbank zu verholen. Über neun Std. Reisezeit (natürlich mit Pausen) hatte der Hund so visuellen Kontakt zu uns und durfte immer mal wieder an der Menschenhand schnuppern. Ergebnis: Kein Fiepen oder Winseln, der Hund war einfach zufrieden, hat viel geschlafen und sich gefreut, wenn wir Pause machten. Leider haben wir ihn dann einmal auf einer Autobahnraststätte gefüttert. Das war wegen des Geräuschpegels nicht so gut. Mutig hat er die Schüssel leer gefressen, die ganze Zeit aber seine Rute geklemmt. Also runter von der Autobahn mit den kleinen Welpen und abseits ein ruhiges Plätzchen suchen. Sie danken es Ihnen.

Unser Züchter, Herr Schmantek, bereitet die kleinen Racker so sensibel und artgerecht auf ihr Leben vor, dass sie schnell Vertrauen fassen. Unterschätzen sie ihre Borderwelpen nicht, aber überschätzen Sie sie auch nicht. Schnell sind sie bereit alles für sie zu tun. Auch wenn sie sich dabei überfordern. Ich habe mich ob der guten Leinenführigkeit schon zu früh zu viel zu langen Spaziergängen hinreißen lassen und habe das Tagesprogramm dann wieder zurück gefahren. Will der Welpe nicht von zuhause weg, ist das kein Trotz.  Jeder Spaziergang holt ihn aus seiner neuen gewöhnten Umgebung. Da wehrt er sich durch sitzen bleiben. Also, erst einmal ruhig ein kleines Stück tragen, dann läuft er plötzlich wie geschmiert. Ach ja mal tragen, auf den Arm nehmen. Das tut dem kleinen heranwachsenden Border gut. Gönnen Sie es ihm.

So machen wir nun fröhlich weiter auf unserem gemeinsamen Weg, haben Nemo für die Brauchbarkeitsprüfung (Nachsuche Schalenwild) gemeldet.   Die erste Fährte mit dem Fährtenschuh im Schnee ist erfolgreich gearbeitet, Verleitungen werden markiert aber nicht verfolgt, nur die Haken werden konsequent ausgearbeitet. An der Reizangel zeigt Nemo Hetz laut. Vielleicht wird er auch spurlaut. Nemo guckt und gibt uns zu verstehen, das ist ja blöd, Ich kann hier hetzen so viel ich will, aber Erfolg gibt es dabei nicht. Hallo Herrchen wie machen wir das denn spannender? Wie komme ich ran an das Hasenfell?  „Warte ab mein Kleiner! Jetzt schleichen wir zwei uns erst einmal gaaaanz langsam an, folge mir aber bleib schön bei mir! Achtung und jetzt Tock!  Schon hast Du das Hasenfell.  Nun apport und tauschen. Leckerlies gibt`s dann auch noch. Siehst Du so geht`s, wenn ich es will und Du schön aufmerksam bist, dann haben wir Zwei Erfolg.“ „Ok, alles klar, bitte noch einmal. Und nochmal und nochmal….“

Liebe Leute, so sind die Border, so entwickeln sie sich mit viel Zuwendung, Aufmerksamkeit und freundlicher Konsequenz. Hätte ich meine, ganz in  Nemo verliebte, Frau nicht an meiner Seite, wir stünden heute nicht da, wo wir schon angekommen sind.

Danke.